Geschichte der Klosterkirche

Am Ostermontag 1927 wird der erste Gottesdienst in der St. Elisabeth-Kirche gefeiert.

Die Stadt Hagen

1927: Hagen hat 99 000 Einwohner. Sechs Tageszeitungen berichten über 308 Vorstellungen des Stadttheaters in der Spielzeit 1926/27. Ein Kilogramm Brot kostet 55, Kartoffeln 17 und Butter 400 Pfennig. Im Stadtrat sitzen 12 Parteien, Oberbürgermeister ist Alfred Finke. Auf je 1 000 Einwohner werden 18,9 Kinder geboren, jeden Monat beträgt der Geburtenüberschuss etwa 70. Zu den häufigsten Todesursachen zählen angeborene Lebensschwäche, Krebs, Herzleiden und Tuberkulose. In der Stadthalle feiert man den 80. Geburtstag des Reichspräsidenten von Hindenburg und die Straßenbahn fährt zum ersten Mal von Haspe über Voerde nach Breckerfeld.

Franziskaner in Hagen

Was St. Elisabeth betrifft, begann alles genau genommen schon 1636. Da kamen nämlich die ersten Franziskaner nach Hagen – damals noch ein Dorf. Doch die Wirren des Dreißigjährigen Kriegs und das Ausbreiten der Pest ließen sie nur zwei Jahre verweilen. 50 Jahre lang betreuten Priester der Umgebung die Hagener Katholiken, eine Kirchengemeinde konnte sich so nicht entwickeln. Erst 1689 wurde der Franziskanerpater Melchior Weber Pfarrer von St. Marien. Er baute die Marienkirche, eine Schule und das Pfarrhaus. Als Pater Melchior 1714 starb, folgten ihm zwei weitere Franziskaner als Hagener Seelsorger. 1917 war die Mariengemeinde derart gewachsen, dass zwei weitere Franziskaner nach Hagen kommen mussten, um die Seelsorge im östlichen Teil der Pfarrei bis zu den Dörfern Fley, Halden und Herbeck auszuüben. Schließlich reifte der Plan heran, durch den Bau einer Kirche den Gläubigen den weiten Weg in die Mittelstadt zu verkürzen.

Typisch franziskanisch

1921 bestellte das Provinzkapitel Paderborn Ubald Michels zum Präses der Niederlassung in Hagen mit dem ausdrücklichen Auftrag, eine Klosterkirche zu bauen. Im Dezember 1924 erfolgte der erste Spatenstich, im Juni 1925 wurde der Grundstein gelegt, auf dem die Mauern der Kirche noch heute ruhen. Ostermontag 1927 konnte der erste Gottesdienst im neuerbauten Kirchenschiff gefeiert werden: »Barockstil« fachsimpeln die einen, »typisch franziskanisch« sagen die anderen. Im Inneren beeindruckt die monumentale Großzügigkeit der Raumverhältnisse des Tonnengewölbes, dekorativ-florale Ornamente schmücken das innere Schiff. Die Priester sind Franziskaner, sodass die Elisabethkirche noch einen zweiten Namen erhält: Klosterkirche. Etwa 3000 Seelen – so sagte man damals- zählte die neue Gemeinde. Zur Feier des ersten Gottesdienstes ahnte noch niemand, daß schon 16 Jahre später der Bau in Schutt und Asche sinken würde.

Chronik

1933 erscheint in der Chronik von St. Elisabeth ein erster, der Gemeinde durch äußeren Zwang auferlegter Imperativ: »Wegen des NS-Winterhilfswerkes muß die Armenspeisung der Gemeinde eingestellt werden.« Der neue Jahresbeginn wird mit den Worten eingeleitet: »Der Anfang des neuen Jahres steht im Zeichen des Kampfes.« Am 1. April 1934 wird St. Elisabeth selbstständige Pfarrei. Diese Mündigkeitserklärung kann sie noch öffentlich feiern, dann reglementieren zunehmend Verbote das öffentliche Wirken. Es erfordert zunehmend Mut, sich zur Kirche zu bekennen. Ab 1936 dürfen religiöse Veranstaltungen nur noch in den Kirchen selbst stattfinden, unter dem Vorwand der Kriegsgefährdung müssen Fronleichnamprozessionen ausschließlich auf kircheneigenen Grundstücken abgehalten werden. Verdunklungsvorhänge verbergen das Licht der Kerzen.

Die Zeit von 1943 bis 1946

In der Nacht vom 1. zum 2. Oktober 1943 verwandelt ein Luftangriff den Stadtkern in Schutt und Trümmer und zerstört die Klosterkirche bis auf ihre Mauern und den Chor mit dem Hochaltar fast gänzlich. Bis zum Ende des Krieges konnte der Gottesdienst nur noch in der Morgenfrühe gefeiert werden, um den bei Tagesanbruch herannahenden Tieffliegern zu entgehen. 1945 zählte die Gemeinde nur noch 2 500 Mitglieder. In der Stadt herrschten Hunger und Obdachlosigkeit. Nach der Besetzung im April 1945 beginnt die »Klosterspeisung«. Mehrere Jahre lang werden jeden Tag bis zu 1 500 Mahlzeiten im Kloster ausgeteilt. Zwei neue Aufgaben stellten sich: Der Wiederaufbau der Kirche und die neue Stärkung des Gemeindebewusstseins. Zwei große Baumeister, einer davon Prof. Schwarz, entwerfen die Pläne für die neue Kirche, nach denen das Schiff höher und deutlicher auf den Altar ausgerichtet werden soll.
Schon im November 1946 ist die Kirche wieder notdürftig gedeckt, eine Stahlkonstruktion mit Holzverschalung und Dachpappendichtung schützt vor den Unbillen der Witterung. Sonntags findet der Gottesdienst wieder in der Kirche statt. Erzbischof Jäger aus Paderborn hält auf dem Kirchvorplatz eine Firmerneuerungsfeier für die katholische Jugend Hagens. Selbstverständlich helfen die Menschen beim Wiederaufbau der Gemeinde. Endlich kann 1948 die Orgel wieder erklingen.

Vom Kindergarten bis Pfarrgemeinderat

1952 wird der Grundstein für den Kindergarten gelegt, zum ersten Mal zieht die Fronleichnamprozession wieder durch die Straßen und als erste Schwester kommt Schwester Ernestine. In der Osternacht erstrahlt erstmalig ein Kreuz am Kirchturm. Vier Jahre später kann die »Wartburg« mit Saal und Keller eingeweiht werden. Als die Gemeinde 1957 dreißig Jahre alt wird, hat sich die Zahl der Gemeindemitglieder von 2.500 auf 5.100 verdoppelt, wurden zwei Kirchen gebaut, ein Gemeindehaus errichtet, einen Kindergarten erstellt und beim Bau eines Altenheimes geholfen. Es scheint, als sei die Geschichte von St. Elisabeth eine Geschichte des Bauens! Ende der sechziger Jahre wird das Kircheninnere im Sinne der konziliaren Liturgiereform neu gestaltet: Soweit der Bau es zulässt, sind Priester und Gemeinde eine Gemeinschaft um den Altar – ein Symbol der Entwicklung zur brüderlichen Gemeinschaft! Das Wohnviertelapostulat entsteht, seit 1967 unterstützt der Pfarrgemeinderat den Priester bei seinen Aufgaben. Eltern gestalten die Kindergottesdienste mit, Laien wirken an den Beicht-, Kommunion- und Firmvorbereitungen mit. Christen begegnen einander über die Grenzen ihrer Konfession hinweg. Zusammen mit der Matthäusgemeinde finden ökumenische Gottesdienste und Bibelwochen statt, gemeinsame Sitzungen von Pfarrgemeinderat und Presbyterium sind bereits selbstverständlich. Im August 1973 halten die Franziskaner Einzug in ihr neues Heim, 1977 wird der neue Kindergartens unterhalb der Kirche eingeweiht.

Die Zeit nach 1977

Auch wenn 1988 mit dem Weggang der Franziskaner ein neuer Abschnitt für die Gemeinde beginnt, so zeigt sich doch: Irgendwie geht es immer weiter. In diesem Jahr feiert die Frauengemeinschaft ihr 60-jähriges Jubiläum und der langjährige Chorleiter und Organist Rudolf König wird in den Ruhestand verabschiedet. Neuer Pfarrer der Gemeinde wird Günter Freitag. Vikar Hubertus Böttcher unterstützt ihn in seiner seelsorgerlichen Aufgabe. Am 13. November ist die Amtseinführung. Der große Klostergarten, der den Franziskanern gehörte, wird an die Erzdiözese verkauft. Sie ist aber nur an einem Viertel des Gartens interessiert, so dass Werner Ruberg als Nachbar den restlichen Garten erwirbt, ihn aber dankenswerterweise vorerst den Kindern und Jugendlichen unserer Gemeinde zur Verfügung stellt.

Die Jahre von 1990 – 1997

1990 wird das alte Franziskusheim an der Lützowstraße abgebrochen. Zwei Jahre später kann der Neubau wieder bezogen werden. 20 Zweibettzimmer und 28 Einzelzimmer stehen den alten Menschen zur Verfügung. 1997 scheidet Pastor Freitag aus seinem Amt und zieht nach Arnsberg. Am 31. August als Nachfolger eingeführt, übernimmt Michael Kirmes die Leitung der Gemeinde. Zuvor hat er in der Seelsorge als Vikar in Rietberg bei Gütersloh gearbeitet, in Werl in der Propsteigemeinde und die letzten elf Jahre in Dortmund als Krankenhauspfarrer im St. Johannes-Hospital. Statt Seelsorge ist erst einmal eine rege Bautätigkeit in der Pfarrei angesagt. Nachzulesen im Ökumenischen Weihnachtsbrief »Contact« im Dezember 1999: »Weil die Bausubstanz des Gemeindehauses Scharnhorststraße 40 und das Gebäude ›Wartburgl‹ abgängig sind, und das ›Kloster‹ für Pfarrer und Pfarrbüro allein zu groß ist, und weil der Gemeindeverband mit seinen fast 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht, wie zunächst geplant, in das Franziskanerkloster, sondern in das kurzfristig frei gewordene Hildegardis-Kloster umziehen wird, hat der Kirchenvorstand nach langen Diskussionen beschlossen, sich vom Gemeindehaus und der Wartburg einschließlich Garten hinter dem Gemeindehaus zu trennen. Vom Verkaufserlös soll das Kloster zu einem Gemeindehaus umgebaut werden. Für Pfarrer und Pfarrbüro wird der Gemeinde ein neues Pfarrhaus gebaut – mit finanzieller Beteiligung Paderborns.«

Um des Klosters

Aber es wird nicht nur gebaut. Die Gemeindewallfahrt im Mai 2000, die unter sehr großer Beteiligung mit Bus, Fahrrad und streckenweise zu Fuß nach Herzfeld an der Lippe zur Hl. Ida führte, zeigt: die Gemeinde ist immer unterwegs. Dirk Salzmann aus St. Elisabeth wurde am 18. Mai 2002 in Paderborn von Erzbischof Kardinal Degenhardt zum Priester geweiht. Er feierte mit seiner Heimatgemeinde die Primiz, die erste Heilige Messe, am Pfingstsonntag. Im Februar 2001 ist das neue schöne Pfarrhaus fertig. Im Jahr des 75. Jubiläums wird im Sommer 2002 der Umbau des Klosters zum multifunktionalen Gemeindehaus mit großer Katholischer Öffentlicher Bücherei und unmittelbarem Zugang zwischen Innenraum Kirche und Großem Saal des Gemeindehauses in Betrieb genommen: Einweihung am 15. September 2002.

Seit Gründung der Pfarrgemeinde wirkten seelsorgerlich:

Pfarrer

1927 Pater Ubald Michels, Pfarrvikar
1934 Pater Ubald Michels, als erster Pfarrer
1950 Pater Bernold Kuhlmann
1955 Pater Marzellus Gehrken
1959 Pater Martin Beverungen
1964 Pater Willibald Beverungen
1979 Pater Meinolf Vogt
1988 Günter Freitag
1997 Michael Kirmes

Vikare

1939 – 1946 Pater Bernold Kuhlmann
1965 – 1966 Pater Hartwig Avaresch
1966 – 1966 Pater Petrus
1967 – 1970 Pater Wilhelm Temme
1969 – 1973 Pater Rudolf Dingenotto
1970 – 1971 Pater Diethard Fiene
1971 – 1976 Pater Heribert Josefs
1973 – 1979 Pater Wolfgang Strotmeier
1976 – 1982 Pater Karl Eveld
1979 – 1980 Pater Willibald Beverungen
1981 – 1982 Pater Norbert Plogmann
1982 – 1986 Pater Ivo Posilovic
1983 – 1988 Pater Werner Mertens
1988 – 1991 Hubertus Böttcher
1991 – 1993 Stefan Wigger
1993 – 1997 Jürgen Eickenbusch

Gemeindereferentin

1999 Andrea Hartmann

Subsidiar

1991 Norbert Schlicker